„Wie eine große Familie“: Patenschaften im Team helfen neuen internationalen Kolleg:innen beim Ankommen

Zwei Männer und eine Frau in weißen und blauen Kassaks stehen zusammen in einem Patient:innenzimmer. Die Frau erklärt dem Mann in der Mitte etwas zu medizinischem Material auf einem Tablett. Der andere Mann schaut beiden zu.

Hassen Ben Maalem (Mitte) fühlt sich von Patin Nicole Schmidt und Pate Jamil Lakhel gut unterstützt.

Die Akquise und Anerkennung von hochqualifizierten Fachkräften aus dem Ausland ist auch an der Universitätsmedizin Halle ein wichtiger Baustein bei der Fachkräftegewinnung in der Pflege. Jedes Jahr stoßen etwa 80 internationale Pflegefachleute zum Team der Universitätsmedizin Halle dazu, die in hauseigenen Kursen am Ausbildungszentrum für Gesundheitsfachberufe auf die Prüfung zur beruflichen Anerkennung vorbereitet wurden. Wie gut das Zusammenwachsen im Arbeitsalltag funktionieren kann, zeigt das Stationsteam der Universitätskliniken und Polikliniken für Neurologie und für Neurochirurgie. Dort werden den neuen Mitarbeitenden seit kurzem jeweils zwei erfahrene Kolleg:innen als „Pat:innen“ an die Seite gestellt, die die internationalen Fachkräfte bei ihrem Anerkennungsprozess und im Alltag unterstützen. Wir haben mit Hassen Ben Maalem und seinem Pat:innen-Team gesprochen.

 

„Unsere Station ist wie eine große Familie“, sagt Hassen Ben Maalem. Seit rund zwei Monaten ist der junge Mann aus Tunesien inzwischen an der Universitätsmedizin Halle. Hier durchläuft er auf der Station der Universitätskliniken und Polikliniken für Neurologie und für Neu­rochirurgie seinen Anerkennungsprozess zum Pflege­fachmann – wie aktuell 19 weitere inter­nationale Kolleg:innen in seinem Kurs.

„In meiner Heimat habe ich nach meinem Abitur bereits ein Studium der Kranken­pflege absolviert“, erzählt Maalem, der gerne als Kranken-­ und Gesundheits­pfleger in einem anderen Land arbeiten wollte. „Deutschland hat aufgrund seiner guten Organisation und Möglichkeiten ei­nen sehr guten Ruf in Tunesien und über die sozialen Medien und von Freunden bekommt man zumeist sehr positive Er­fahrungsberichte – insbesondere von der Universitätsmedizin Halle“, erinnert sich auch Jamil Lakhel, der bereits seit zwei Jahren am Universitätsklinikum Halle (Saale) arbeitet und 2021 hier erfolgreich seinen Anerkennungsprozess abgeschlossen hat. Jetzt un­terstützt er seinen Landsmann nicht nur als Kollege, sondern steht im Team zusammen mit Praxisanleiterin und Bereichsleitung Ni­cole Schmidt als Pate für Maa­lem zur Verfügung.

„Wir haben nach unseren ersten Erfahrun­gen mit den Anerkennungsverfahren be­schlossen, unseren neuen internationalen Mitarbeitenden immer zwei Kolleg:innen als konkrete Ansprechparter:innen zur Seite zu stellen“, erzählt Katharina Bauer, Pflegerische Klinikleiterin der Universitätskliniken und Polikliniken für Neurolo­gie und Neurochirurgie. Ein Pate oder eine Patin stammt dabei fast immer aus dem gleichen Kulturkreis wie der Neuankömmling. „Die selbst ge­machten Erfahrungen sind für die Einge­wöhnung in neuer Umgebung ein großer Vorteil“, weiß auch Lakhel aus eigenem Erleben. Dabei geht es oft um kleinere Hilfen: Wo finde ich welches Material? Wie kann man den Bericht schreiben?

„Aber es geht auch um Fragen abseits der Arbeit“, so Lakhel: „Warum hat ein Super­markt hier sonntags geschlossen oder was sind eigentlich Kaffeerunden?“ Vieles sei in Deutschland anders als in Tunesien. Trotz seines medizinischen Studiums gilt es für Maalem, viel Neues zu erlernen und zu verstehen: Krankenhaushygiene, digitale Dokumentation oder die techni­sche Ausstattung – auch der Betrieb in einem Universitätsklinikum ist hier anders organisiert. Aber alle Fragen sind erlaubt – und von Pate Lakhel und Patin Schmidt ausdrücklich erwünscht. „Maalem ist sehr offen, wissbegierig und empathisch gegenüber seinen Kolleg:innen und Patient:innen“, findet Schmidt nur posi­tive Worte über ihr aktuelles „Patenkind“.

Neben der praktischen Einarbeitung im Krankenhaus besucht Maalem im Ausbildungszentrum für Gesundheitsfachberufe der Universitätsmedizin Halle regelmäßig seine Theorie-­ und Sprachkurse. „Ich habe hier schon viel Neues gelernt und alle sind mir gegenüber sehr hilfsbereit“, sagt der junge Tunesier, der schon sehr gut Deutsch spricht und das notwendige B2-Sprachzertifikat bereits in der Tasche hat. „Die deutsche Sprache ist die wichtigste Voraussetzung für die In­tegration, aber dass wir es im Team auch gemeinsam leben, ist unser Erfolgsrezept“, glaubt Schmidt. So setze man auch auf ge­meinsame Aktivitäten der deutschen und internationalen Kolleg:innen. Regelmäßig finden Ausflüge, Feiern oder Kochevents statt. „Das Essen ist hier in Deutschland zwar nie so richtig scharf“, lacht Maalem, „aber wenn wir hier alle zu­sammen sind, fühle ich mich schon sehr wohl.“